SABOTAGE EINER
KLINGEL- UND
TÜRSPRECHANLAGE


Dipl.-Ing. Helmut Kropp

 
 
 
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Sabotage einer Klingel- und Türsprechanlage

Dipl.-Ing. H. Kropp


Da kommen schon Sachen vor in großen Wohnanlagen; das hier betroffene Haus hat 300 Wohnungen, jede Wohnung hat eine Tür- und Torklingelsignalisierung sowie eine Torsprechanlage. Ist wer an der Tür, klingelt es, ist jemand an der Haustüre, brummt ein Summer.

Eines Tages ist alles hin: keine Klingel geht mehr, die Sprechanlage ist kaputt, der Torlautsprecher ist zerfetzt.

Der Verwalter lässt reparieren, so an die EUR 400 kostet ein neuer Verstärker, zuzüglich die Teile und Arbeit.

Nach einer Woche derselbe Schaden, Verstärker kaputt, Lautsprecher zerstört, nochmals Reparatur. Nun versucht man sich in der Nachforschung nach der Schadensursache: Netzüberspannung, Blitzschlag oder so was könnte es sein.

Recht rasch wird klar: das alles war es nicht. Jemand muss die Netzspannung direkt auf die Leitungen der Klingel- und Sprechanlage gelegt haben. Wahrscheinlich glaubte er, er werde mit der Sprechanlage abgehört. Oder ihn störte nur die Klingel bzw. der Summer. Nur wer ist der Täter?

Die Sprechanlagenleitungen verlaufen parallel in alle 2 x 150 Wohnungen. Man könnte nun der Reihe nach diese Leitungen auftrennen, sektorieren und warten, bis irgendwo ein Anzeichen für die Zerstörung wieder auftritt, dann den Verursacher stellen. Den Aufwand zahlt niemand.

Der Verwalter tritt an uns heran, was könnte man tun? Der Vorschlag unserseits: eine Schutzschaltung im Keller, knapp vor dem Verstärkereingang, entwickeln und montieren. Man ist skeptisch, aber wir bekommen grünes Licht für "Terrorabwehr".

Die dann aufgebaute Schutz-Schaltung kann wie folgt beschrieben werden:

  • Fein-Sicherung vor dem Verstärker in Serie, leicht auswechselbar.
    Ein Paket Feinsicherungen erhält der Hausmeister.
  • parallel zum Verstärkereingang passende Transzorbdioden
  • Hochstrom-Gasableiter vor der Sicherung gegen Erde, Zündspannung 70 Volt
  • auf allen vier Anschlussleitungen
  • dazu ein solider Erdanschluss zur Schutzschaltung.


Das ganze wird dann vierfach für jede Leitung ausgeführt.

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Im Betriebszustand der Sprechanlage ist die Schutzschaltung im Ruhezustand. Die im normalen Betriebszustand auftretenden Spannungen an der Schutzschaltung lassen diese kalt, die Schutzschaltung ist für sie seriell niederohmig und parallel hochohmig.

Die geplante Funktion: kommt eine zu hohe Spannung an den Verstärkereingang, spricht zuerst die Transzorbdiode an, begrenzt die Spannung am Verstärkereingang und ein hoher Strom schmilzt sodann die Feinsicherung ab. Nun ist der Verstärker von der zerstörenden Eingangsspannung automatisch getrennt, am nun hochohmigen Eingang spricht der hochstromfeste Gasableiter an und schließt die Eingangsspannung, z. B. 230 V, gegen Erde.

Die Schaltung wurde nun in ein entsprechendes solides, gut isolierendes Gehäuse eingebaut und zur Sprechanlage zugeschaltet.

Schon zwei Tage später ruft der Hausmeister aufgeregt bei uns an, die Sprechanlage sei wieder ausgefallen, er habe die Sicherungen ausgewechselt und nun funktioniere sie wieder.

Wir sehen nach und finden alles in bester Ordnung; Klingel- und Sprechanlage funktionieren. Die Gasableiter allerdings, vorher noch klar und durchsichtig, zeigen einen schwarzen Belag, einer ist sogar blau angelaufen. Da war offenbar Energie am Werk, da muss was geschehen sein!

Wahrscheinlich hat sich der "Saboteur" schon sehr gewundert, als beim wiederholten Versuch, die Anlage totzumachen, es statt wie gewünscht, nicht im Keller, sondern bei ihm in der Wohnung krachte, die Sicherungen herausflogen und es finster wurde. Und dass die Sprechanlage bald darauf wieder funktionierte.

Einmal hat er es noch probiert, dann war Ruhe.

H. Kropp
15.12.05

Schutzschaltung

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montierte Schutzschaltung
 
 
 
 
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