LEISTUNGSMERKMALE
VON TK-ANLAGEN


Dipl.-Ing. Helmut Kropp

 
 
 
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Features von TK-Anlagen

Dipl.-Ing. H. Kropp


Übersicht

Jedes Kommunikationssystem für Sprache muss zwei Grundfunktionen beherrschen: das Vermitteln (Switching) und das Übertragen der Sprachsignale (Transmission). Beide Funktionen können hard- und / oder softwaremäßig integriert sein, am Prinzip ändert sich nichts.

Dabei ist unter "Vermittlung" nicht nur das Verbinden von Anrufer A mit Gerufenem B zu verstehen. Das wäre dann wohl zu einfach. Den Wert guter TK-Systeme machen (heute softwaregesteuerte) "Extras" aus, die komplexe Funktionen darstellen und während, vor oder nach einer Verbindung den geübten Nutzer bei der Kommunikation unterstützen.

Einige mehr exotische "Features" sollen nachstehend beschrieben werden.

Röchelschaltung

Ich rufe eine Nummer zurück, die mir mein "Voice-Mail-System" aufgezeichnet hat. Am anderen Ende meldet sich ein Redakteur des Senders SAT 1, der, wie er sagt, für eine "Ulk- und Rate-Sendung" verrückte Items sucht.

Irgendwie ist er dabei auf die "Röchelschaltung" gestoßen, aber kein Mensch konnte ihm erklären, was das ist. So rief er die Telekom an, die wußte von nichts. Schließlich ging er im Internet auf die Suche und nach Eingabe von "Röchelschaltung" (im Beitrag über die "Apothekerschaltung") stieß er auf meine Homepage und meine Anschrift und Rufnummer.

Die Röchelschaltung, auch Hotline genannt oder in der Variante Babyruf beruht auf dem Herstellen einer Verbindung ohne Betätigen der Wähltastatur (früher auch Wahlscheibe).

Der Name kommt vom Altersheim. In einem Zimmer geht es dem Insassen schlecht, er hat keine Kraft mehr und auch nicht mehr die geistigen Fähigkeiten, eine bestimmte Rufnummer zu wählen. Er ist, so nimmt man an, aber noch in der Lage, den Hörer (Handapparat) des Telefons abzuheben und vor sich hin zu "röcheln...".

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Die Vermittlungsautomatik, die für diesen Anschluss auf "Röchelschaltung" programmiert ist, erkennt das Abheben des Hörers und leitet die Verbindung sofort zu einer hilfeleistenden Stelle weiter. Diese hebt ihrerseits den Hörer ab, kann aber mit dem an sie automatisch verbundenen Anrufer nicht sprechen, sie hört ihn nur mehr "röcheln" (daher der Name) und kann dann - nach Identifikation seiner Zimmernummer (heute sagt man CLIP dazu) - nachsehen gehen und ihm helfen.

Das Abheben des Hörers reicht somit bei dieser "Schaltung" zum Herstellen der vorherbestimmten Verbindung aus.

Ehe man automatische Vermittlungen kannte, gab es schon diese Schaltung. Sie hieß damals nur anders, nämlich "ZB-Schaltung" und war das einzige, was man mit dem Telefon tun konnte: Abheben oder Auflegen, mehr war nicht möglich.

Da soll es in einem Chauffeuerzimmer auch einmal so einen Apparat gegeben haben: wenn der klingelte, hatte der diensthabende Wagenlenker nur sofort abzuheben und "Jawoll, Herr Direktor" zu sagen. Für was anderes war der Apparat gar nicht eingerichtet.

"ZB" heißt Zentralbatterie, im Gegensatz zu "OB" oder "LB", was Ortsbatterie oder Lokalbatterie heißt und bedeutet, dass der zum Sprech-Betrieb des Telefons nötige Strom einer beim Telefon befindlichen Batterie (seinerzeit z. B. mit Zink-Kohle-Elementen) entnommen wurde.

Später dann speiste man die Telefonschaltung über die Kupferdoppelader aus der Vermittlungsstelle (Zentrale), so wie auch i. a. heute noch (Glasfasertelefone ausgenommen), das nannte man dann Zentralbatteriebetrieb. Beim Abheben des Hörers braucht das Telefon Strom und dieser Stromfluss wird von einer jedem Telefon zugeordneten "Schleifenstromerkennung" in der Zentrale als Verbindungswunsch des Telefons des Teilnehmers signalisiert.

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Zimmermädchen-Verfolgeschaltung

Mitte der Achtziger brachte die Firma Philips eine neue Hotel-Anlage heraus, die ein besonderes "Zimmermädchen"-Merkmal hatte.

Geht das Zimmermädchen am Vormittag die Hotelzimmer putzen, ist sie der Reihe nach in verschiedenen Zimmern und kein Mensch weiß genau, in welchem. Sie kann das aber der Anlage mitteilen, wo sie ist. Im Zimmer hebt sie dann jeweils den Hörer ab und gibt eine besondere (im Übrigen immer gleichbleibende) Kennzahl ein; diese sagt der Zentralsteuerung, wo sie sich befindet.

Ihre normale Dienstzimmer-Rufnummer wird dadurch nach Erkennen der Zimmernummer auf diese jedesmal umgeleitet.

Anti-Ankara-Schaltung

Um 17 Uhr ist Dienstschluss, alles geht nach Hause, und die Putzkolonne kommt. Da stehen doch überall die Telefone frei zur Bedienung herum und schon mancher Chef wunderte sich am Monatsende, wenn die Telefongebührenerfassung ausgewertet war, wieviel seine "Mitarbeiter" nach 17 Uhr telefonierten, z. B. nach Istanbul oder Ankara....

Also wird eine Schaltung eingerichtet, die um 17 Uhr schlagartig alle Amtsberechtigungen der Nebenstellen (die üblicherweise um die Zeit noch besetzten Stellen vielleicht ausgenommen) auf "halbamtsberechtigt" umschaltet. Das heißt, diese Nebenstelle kann von extern wohl angerufen werden, nicht aber selber extern telefonieren, z. B. nach Ankara, daher der Name.

Umlegen

Jemand bekommt ein externes Gespräch, das aber der Kollege nebenan haben sollte. Also "R"-Taste drücken (R = Rückfrage, Rückgespräch, auch "Zweite Verbindung") und die Rufnummer des Kollegen wählen. Legt man dann auf oder nachdem sich der Kollege gemeldet hat, spricht man von einem "Umlegen" des Gesprächs. Mit Killen hat das nichts zu tun, englisch heißt dieser Vorgang übrigens "transfer". Ein Sonderfall dieses Features ist die

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Einmann-Umlegung

das bedeutet, dass eine beliebige Nebenstelle ein Gespräch an einen anderen Anschluss (wie oben beschrieben) weitergeben kann, ohne auf das Melden des Angerufenen zu warten.

Besenkammerltelefon

In einem Raum zur Aufbewahrung von Reinigungsgeräten ("Besenkammerl") war manchmal ein halbamtsberechtigtes Telefon aufgestellt worden. Das war nun nicht zum Telefonieren der Reinigungskräfte ("Putzfrau") vorgesehen, sondern sollte seinerzeit der Telefonistin, die einen unangenehmen Anrufer, ob Kunden oder Lieferanten, vermitteln sollte, ein Vermittlungsziel anbieten: der unbequeme Anrufer wurde dorthin vermittelt und hörte dann beliebig lang den Rufton, zwecks Abreaktion, denn dort hob sicher niemand zur üblichen Geschäftszeit ab....

H. Kropp
03.03.04

 
 
 
 
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