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Dipl.-Ing. Helmut Kropp

 
 
 
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Ich gehe in ein Seminar

Dipl.-Ing. H. Kropp


Per email erhalte ich eine Einladung des "Munich Network Forum" in München, eine Vortragsreihe zum Thema "Next Generation Internet" zu besuchen.

Die Firma kenne ich inzwischen schon; wie sie vor ein paar Jahren gegründet wurde, hatte sie mich schon zu einer ähnlichen Veranstaltung im "Botanikum" in München eingeladen. Wesentliches Kennzeichen dieser Veranstaltungen ist es, dass eine Gebühr von 90 Euro verlangt wird (für 4 Stunden, Mitglieder nur 50 Euro).

Damals im Botanikum (einem Glashaus zur Überwinterung von Tropenpflanzen, ganz nahe hier beim Rangierbahnhof) war es saukalt, Essen und Getränke mies, und die Leitperson des Abends, es ging um erfolgreiche Partnership und Existenzgründung, war ein "Graf Hodenberg" (was immer man sich darunter vorstellen will).

Aus dieser schlechten Erfahrung klug, ignorierte ich dann auch alle Einladungen zu Events wie "Venture Capital" oder "Mezzanine Capital" oder "Succesful Enterprise Equity" oder wie sie sonst hießen, für geraume Zeit, bis dann diese obige Einladung kam.
Man beachte, dass alle Themen immer in englischer Sprache sind, die Vorträge und Diskussionen waren dann allerdings immer in Deutsch.

Ich war neugierig, wie sich der Laden entwickelt hatte, und meldete mich an; bald darauf kam ein Anruf, die Veranstaltung sei um 14 Tage verschoben.

Gestern war ich nun in der "Rosenheimerstrasse 145", einem "Business Complex" mit Innenhöfen nahe beim Ostbahnhof. Den Aufzug, der direkt in die Konferenzräume geführt hätte, durfte man nicht benutzen, sondern musste zwei Etagen hochkeuchen. Bei der Tür stand dann gleich die Kasse, immerhin war auch Zahlung mit EC- oder Kreditkarte möglich.

Der Laden von "Munich Network" war dann ein Büro mit etwa 300 qm, mit sofort auffallender, besonders innovativer LAN-Verkabelung: Von der Decke mit den unverdeckt geführten Kabelrinnen zum Schreibtisch (zur "Workstation") hinunter mit dicken angeschellten, malerisch geringelten Metallschläuchen, sehr dekorativ.

Auf einem Prospektständer zur freien Entnahme u. A. ein Blatt über "Beteiligung der Hochschulen an Munich Network", dazu unten Näheres. Ein Heft einer Zeitschrift "Venture Capital" kostete EUR 12,50; da alt, war es gratis.

Der Konferenzraum für etwa 80 Leute (fast voll besetzt) war mit allem Notwendigen versehen, allerdings nur Stühle, keine Tische zum Notizenmachen, das musste man in "Lap Top Position" erledigen. Leider hatte weder Büro noch Konferenzraum eine Klimatisierung, es war sehr heiß. Schon vor Beginn gab es das angekündigte Buffet mit alkoholfreien Getränken und leckeren Brötchen (eines davon ein besonders gutes und dekoratives Thunfischbrot). Alle Referenten mit Ausnahme des eingeladenen Professor hatten Skripten in der Unterlagenmappe geliefert. Zum Professor: siehe unten. Das obligate Formular zur Seminarbeurteilung hatte ich dann auch entsprechend ausgefüllt.

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Das Thema war dann eigentlich "Breitbandkommunikation", mit der Möglichkeit, auch über einen Breitbandanschluss ins Internet zu gelangen. Das interessierte mich sehr, gilt doch die Glasfaser-Verkabelung (bis zum Kunden) als zukunftsträchtig. Zur Zeit geht es meistens noch über Kupferkabel, was aber die Reichweite sehr einschränkt und recht teuer ist.

Zu Beginn um 15:30 Uhr las Herr Kreindl vor: "Prediction is very difficult, especially if its about the future". Also doch etwas in englischer Sprache, etwa 2 Folien lang. Das schwierigste sei TV über IP (Internetprotokoll); da dachte ich mir, warum einfach, wenn es kompliziert auch geht. Einen neuen Begriff lernte ich kennen "Triple Play", worunter man Fernsehen, Telefon und Internetzugang über Breitbandnetze und / oder IP versteht.

Dann kam Herr Peter von Cisco mit "IP Telefonie und Sicherheit". Voice over IP ist das Thema in allen Telekomjournalen, der Durchbruch und die Umstellung aller Netze auf VOIP wird aber noch einige Zeit dauern. Genauso unsicher wie Daten im Internet ist es natürlich auch, wenn man übers Internet telefoniert. Alle möglichen Leute können zuhören oder die Verbindung anderswohin umleiten. Peter verwies daher immer nur auf "Patches" von Softwareherstellern, statt sich selber am Schopf zu nehmen. Im übrigen war das Interesse des Auditoriums an dem Thema eher schwach.

Dann kam Herr Wiegand von Siemens und erklärte uns, dass vor der Inbetriebnahme aller schönen Sachen, wie TV, Video, Musik, Internet etc. über IP erst einmal alle Zubringer-Netze, vor allem in der Ebene der letzten und vorletzen Meile, aufgerüstet werden müssten. Er hatte dazu ganz konkrete Schematas dabei; der Vortrag war gut fundiert und bestens verständlich. Die Essenz war: Am besten ist Fiber to the Desk, also das Glasfasernetz bis zum Tisch bzw. ins Heim.

Nach der Pause kam ein Betreiber von Kabelnetzen zu Wort, Herr Dahlen von Kabel Deutschland. Jahrelang hatte die Bundespost / Telekom auf dem Kabel gesessen und nichts zur technischen Verbesserung getan. Dann verkaufte sie das Netz an Privatfirmen (Callahan, ish etc.) und erwartete, dass diese das Netz verbessern und rückkanalfähig machen sollten. Dazu haben sich die neuen Besitzer inzwischen entschlossen, Herr Dahlen berichtete darüber, es war sehr interessant, was alles an TV, Video, Musik, Telefon und Internet über Kabel dem Kunden angeboten werden soll.
Dazu sagt man dann "Content".

Der letzte Vortrag war ein Flop: er bestand aus lauter Säulendiagrammfolien von Professor Wirtz. Der hatte da einige Studenten offenbar zu "Befragungen" auf die Leute losgelassen und die Ergebnisse (von den Studenten, Diplomanden, Doktoraspiranten?) in Säulendiagrammen darstellen lassen. Unter anderem kam heraus, die Leute wollen im Breitband oder im Kabel am liebsten Musik hören (siehe MP3-Player), dann kommt Internet und ganz zuletzt TV und Telefon. Da hatten die Studenten wahrscheinlich hauptsächlich Kollegen befragt. Solche "Untersuchungen" habe ich zu Dutzenden zu Hause, sie sagen mir eigentlich gar nichts ausser vielleicht: Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.

In der dann folgenden Diskussion bis 19:00 Uhr interessierte dann auch erwartungsgemäß keinen der Gäste die Säulendiagrammergebnisse und auch nicht VOIP, obwohl sich der Cisco-Vertreter mehrfach meldete und dabei "Voice over IP" sagte und bestimmt einige "Voipertinger" im Publikum saßen. Grosses Interesse für die Kabel-Infrastruktur, aber ein Teilnehmer mokierte sich, dass die Veranstalter "W-LAN", "Bluetooth", "UMTS" und drahtlose Zugangstechniken nicht mit aufgenommen hatten: ich war froh, sonst hätte es noch länger gedauert.

H. Kropp
27.07.2005

 
 
 
 
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