FEUCHTESCHADEN
EINES HANDYS


Dipl.-Ing. Helmut Kropp

 
 
 
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Der Handy-Feuchteschaden

Dipl.-Ing. H. Kropp


Da bekomme ich ein funktionsunfähiges Mobilfunkgerät der Marke N. zur Besichtigung, es soll angeblich durch einen Feuchteschaden kaputt gegangen sein. Eine Besichtigung des Innenlebens (nach Öffnen des Gerätes, ist oft nicht ganz einfach!) ergibt keine Auffälligkeiten. Alles ist glatt und sauber, also Wasser ist da sicher nicht hineingeronnen.

Kurz darauf bekomme ich die Kopie eines Schreibens eines Handy-Repariers, der sich auf Geräte der Firma N. spezialisiert hat, mit etwa folgendem Text: "Der Gutachter hat sich geirrt. Das Gerät ist durch einen Feuchteschaden beschädigt. Hätte der Gutachter ein Hochleistungsmikroskop verwendet und den Zwischenstecker entfernt, hätte er unter diesem mit dem Hochleistungsmikroskop zwischen den Kontakten Feuchtespuren finden können."

Na gut, man lernt ja dazu. Ich habe zwar schon viele feuchtebeschädigte Leiterplatten gesehen, den Einfluss von Wasser auf der Leiterplatte kann man üblicherweise auf den ersten Blick erkennen.

Zufällig lese ich kurz darauf in einer Fachzeitschrift, die sich hauptsächlich mit Handys befasst:

"Das Handy ist heute unter Jugendlichen ein Kultobjekt. Ein neues Handy eines Jungen wird da nicht nur gebührend bewundert, es muss auch getauft werden. Dazu wird es in den gut gefüllten Bierkrug gelegt; diesen Test muss das neue N.-Handy natürlich aushalten."

Ich schließe daraus: Das weiß natürlich auch die Firma N. und setzt ihren Ehrgeiz darein, diesen Biertest zu bestehen. Also werden alle N.-Handys so gefertigt, dass sie wasserdicht sind. So was kann man ja machen.

Aber wieso gibt es dann noch feuchtegeschädigte N.-Handys?

Da erinnerte ich mich an einen Vortrag unseres Kollegen Dr. Dieter Wanders (siehe unter www.sv-edv.de, Beiträge der Mitglieder) über "Gehäuse - Sicherer Schutz oder sicheres Verderben".

Und weiter erinnerte ich mich an den Vorgang, im Winter einen eiskalten Gegenstand in einen warmen Raum zu bringen: der beschlägt sich sofort mit einem Feuchtefilm.

Wenn ich nun mein N.-Handy im Auto vergessen habe und es ist im Freien eiskalt und ich hole es in die warme Wohnung: was wird wohl geschehen? Das (wohl verschlossene) Luft-Volumen im Handy ist zwar gering, reicht aber aus, eine kleine Feuchtigkeitsmenge an das Geräteinnere abzugeben, wenn ich es von eiskalt auf zimmerwarm bringe. Und wenn ich es dann einschalte: Zusammen mit der Akkuspannung kann das schon zu galvanischen Effekten (Materialabtragung, Korrosion) führen.

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Und siehe an: In der Bedienungsanleitung der Firma N. steht ganz klar und deutlich: Keine Haftung für Schäden, wenn das Gerät kalt ist und dann in einem warmen Raum in Betrieb genommen wird.

Das Dilemma für den Hersteller N. ist klar: entweder macht er sein Handy wasserdicht oder temperaturwechselbeständig. Beides geht offenbar bei ihm nicht, also muss er sich via Bedienungsanleitung von der Temperatur-Wechselbeständigkeit verabschieden, will er den "Kult-Ritus" Handytaufe bestehen.

Für den Benutzer aber bleibt die Diagnose "Feuchteschaden" nicht akzeptabel. Er hat ja auch normalerweise kein "Hochleistungsmikroskop". Und normalerweise liest er auch die Bedienungsanleitung nicht.

H. Kropp
09.09.05

 
 
 
 
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